Gunnar Heinsohn: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 3

Gunnar Heinsohn: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 3

Deutschlands AAA-Rating wird noch nicht attackiert. Seine Titel gelten als sicherste der Menschheit. Doch 1970 steht das Land erst bei 800 Euro Staatsschulden pro Kopf gegen 25.000 heute. Damals liegt das Durchschnittsalter bei 34, heute bei 44 Jahren. Zwar nicht 40 Prozent wie in den USA, aber 20 bis 25 Prozent des Nachwuchses gelten ebenfalls als nicht ausbildungsreif. Bis 2050 soll das Durchschnittsalter 50 Jahre erreichen und die Bevölkerung von 83 auf 73 Millionen schrumpfen. Dass man hier nicht nur inkompetenter und sogar noch älter wird als in den USA, sondern obendrein auch weniger, lässt sich vor den Ratingagenturen nicht beliebig lange verheimlichen.

Die Bundesrepublik garantiert die Schulden der übrigen Europäer, hat bekanntlich aber niemanden, der für sie einmal einspringen könnte. Besonders die blitzvergreisenden Staaten und Aspiranten der EU im Osten werden die Unfähigkeit zu weiteren Garantien alsbald offenbaren. Zwischen Lettland und Bulgarien wachsen – wie in Deutschland und Österreich auch – pro Frau nur knapp 1,3 Kinder auf. Man sieht seine Jungelite ziehen und steht ohne jede Attraktivität für kompetente Zuwanderer da. Selbst unter der irrealen Annahme, dass dort ab morgen niemand mehr weggeht, sackt die Bevölkerung zwischen Ostsee und Schwarzem Meer von knapp 160 Millionen 1990 auf nur noch 115 Millionen im Jahre 2050, während gleichzeitig das Durchschnittsalter auf 50 Jahre springt. Die Herrschenden von Riga bis Kiew, Bukarest und Sofia können schon heute ihren Rentnern und Unqualifizierten nur noch über Staatsanleihen ausreichende Monatsbeträge anweisen. Diese Papiere aber sind unverkäuflich, wenn nicht Deutschland für sie bürgt. Irgendwann brauchen 50 bis 60 Millionen ohne Versorgung Hilfe aus Berlin. Eine surreale Aussicht angesichts der bis 2060 auf 65 Millionen sinkenden Einwohnerzahl der Bundesrepublik bei gleichzeitigem Anstieg ihres Durchschnittsalters auf dann 54 Jahre und ungebrochen hohen Millionenzahlen bei den Sozialhilfeempfängern.

Noch ist der Markt für Staatstitel nicht frei. Noch treten mit den Zentralbanken Akteure auf, die sie im Nennwert als Pfand akzeptieren oder immer wieder ankaufen, wenn niemand sonst mehr zugreift. Gäbe es diese Käufer – vorneweg EZB und Fed – mit unendlich tiefen Taschen nicht, würden zahllose Papiere im Nennwert von 10.000 auf 5.000 oder weniger abstürzen. Dieser Verlust von 5.000 müsste umgehend aus dem Eigenkapital glattgestellt werden.

Die Staatstitel im Eigenkapital von Zentral- und Geschäftsbanken sowie von Firmen fallen aber ebenfalls von 10.000 auf 5.000. Und verlorene 5.000 bei den Investitionen können nicht durch im Eigenkapital ebenfalls verlorene 5.000 ersetzt werden. Für Griechenland tritt eben dieser Fall im Mai 2010 technisch ein. Er kann nur durch ein 750 Milliarden Euro-Hilfspaket für Europas Währung notdürftig kaschiert werden. Die Europäer mögen altern und tumber werden. Dass aber ein Insolventer auch mit Liquiditätsschwemmen nicht geheilt werden kann, begreifen sie immer noch.

Gunnar Heinsohn: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 2

Gunnar Heinsohn: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 2
Für ihre märchenhafte Vermögensmehrung durch gratisnah geliehenes Geld, also ohne Berührung mit dem Leistungssektor der Warenproduktion, treiben amerikanische Banken bis 2007 ihre Schulden bis auf 116 % des Bruttoinlandsprodukts. 1980, als noch niemand einen Minidiskont kennt, sind es gerade 21 %. 2007 gehen 40 % der Gewinne von börsennotierten US-Unternehmen an Banken mit nur 5% der Erwerbstätigen.

Die Achse des Guten: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 1

Die Achse des Guten: Die Zukunft der Finanzkrise – Teil 1
Die akademisch verwirrten Zentralbanker hätten lediglich die Geschäftsbanker fragen müssen. Gerade weil sie – neben ihrem Eigenkapital – die Bedingungen für die Firmenrettung genau kennen, treten sie selbst dafür nicht an. (1) Sie können einem abrutschenden Unternehmen keine neuen Erfindungen geben und (2) auch keine einfallsreichen Ingenieure für ihre Umsetzung, nach der es wieder verkaufen und so die weniger innovative Konkurrenz aus dem Felde schlagen könnte. Sie können ihm jedoch vor allem (3) kein verpfändbares Eigentum übertragen, mit dem ein frischer Kredit für die Umsetzung von Innovationen in jedem Fall besichert werden muss. Sie wissen: Die Schuldsummen der Unternehmen bleiben auch nach einem Crash unverändert hoch, ihre Preis und damit der Wert ihres Pfandes aber stürzen ab!

Die Robin-Hood-Steuer / Tobin-Tax

Die Robin-Hood-Steuer / Tobin-Tax
Angenommen, im ganzen Landkreis werden nur ein oder zwei alte Autos angeboten. Dann sind die Preise für diese Wagen ziemlich unzuverlässig. Der eine Verkäufer will viel Geld für sein Auto, der andere wenig – und worauf sich der Käufer mit ihnen einigt, bleibt dem Verhandlungsgeschick und dem Zufall überlassen. Doch je mehr Leute mit ihrem Wagen auf dem Markt sind, desto eher bildet sich ein stabiler Marktpreis, der zu Alter und Kilometerstand der Autos passt.

Der Crash entstand nicht, weil die Computer plötzlich alle ihre Aktien verkauft hätten – das taten sie nicht. Sie zogen sich einfach wegen zunehmender Unsicherheit von der Börse zurück, behielten ihre Aktien und taten gar nichts mehr. Als die Computer von der Börse weg waren, brachen die Kurse ein.