golem.de: Glenn Greenwald, “Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz”

golem.de: Glenn Greenwald, “Der Überwachungsstaat ergreift nun die Macht im Netz”

Greenwald: Mein Partner, meine Freunde und meine Berater halten mich im Gleichgewicht. Und Edward Snowden.

Zeit Online: Sie sprechen mit ihm?

Greenwald: Ja, ich kommuniziere fast täglich mit ihm.

Zeit Online: Laura Poitras hat mit Ihnen und Snowden den NSA-Skandal aufgedeckt. Sie sagte im Sommer gegenüber einem Reporter der New York Times: “Mein Leben wird nie wieder wie früher sein. Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Privatleben je wieder für mich geben wird.” Gilt das auch für Sie?

Greenwald: Es ist ja nicht überraschend, dass ich ein Stück meines Privatlebens verliere, wenn ich einen Berg von Geheimdokumenten des mächtigsten Geheimdienstes des mächtigsten Staates dieser Erde veröffentliche. Ich wusste, dass das der Preis meiner Arbeit sein wird.

Zeit Online: Sie hätten den globalen Scoop fast vergeigt. Herr Snowden hat sie mehrmals anonym per E-Mail kontaktiert, aber sie antworteten ihm nicht.

Greenwald: Er schrieb mir im Dezember 2012 eine erste anonyme E-Mail. Ich antwortete ihm zunächst routinemäßig.

Zeit Online: Was wollte er?

Greenwald: Er bat mich, ein Verschlüsselungsprogramm zu installieren, damit er mir wichtige Information schicken könne. Aber das tat ich nicht.

Zeit Online: Warum?

Greenwald: Er teilte mir nicht wirklich mit, was er wollte. Er sagte, er würde mir mehr mitteilen, wenn ich das Verschlüsselungsprogramm installiere.

Zeit Online: Dachten Sie, er sei ein Wichtigtuer?

Greenwald: Ja, als Journalist wird man ja immer wieder von Leuten kontaktiert, die verrückte Storys erlebt haben wollen. Viele davon sind der Fantasie entsprungen. Deshalb habe ich auch diesmal nicht geglaubt, dass ich irgendetwas Bedeutsames versäume. Die Mails dieses unbekannten Mannes habe ich daher nicht wirklich ernst genommen.

Greenwald: Er bat nun sie, sich an mich zu wenden und er sandte ihr verschlüsselte Mails mit den ersten Dokumenten. Sie kontaktierte mich im März und bat mich um ein persönliches Treffen. Sie zeigte mir E-Mails, die sie von der anonymen Person erhielt. Es waren viel längere und detailliertere Mails, als jene, die ich von der anonymen Person erhalten hatte. Laura und ich spürten sofort, dass uns eine sehr beeindruckende und überlegte Persönlichkeit gegenüberstand. Aber wir wussten immer noch nicht, wer es wirklich war. Wir wollten den Mann treffen. Er teilte uns mit, dass er noch sechs bis acht Wochen brauchen würde. Acht Wochen später meldete er sich tatsächlich und bat uns nach Hongkong, wo er uns Dokumente übergeben würde.

Zeit Online: Sie trafen sich in einem Hotel. Wie konnten Sie sicher sein, dass Edward Snowden wirklich Wissen über die NSA und ihr Überwachungsprogramm besaß und kein Betrüger oder gar ein Spitzel war?

Greenwald: Ich sagte ihm, dass er uns ein paar Dokumente schicken sollte, ehe ich um die halbe Welt fliege. Er mailte mir etwa 2.000 Dokumente der NSA zu, die als streng geheim klassifiziert waren. Die Akten waren unglaublich. Es war aufregend, aber auch schockierend, sie in den Händen zu halten. Ich wusste natürlich noch immer nicht, ob die Dokumente echt waren. Aber sie wirkten sehr authentisch. Ich sprach mit ihm etwa zehn Tage lang mehrere Stunden. Er wirkte ehrlich, die Dokumente wirkten echt. Und so flog ich nach Hongkong, mein Bauchgefühl und meine Erfahrung verrieten mir, dass wir einen gigantischen Fall vor uns hatten.

Zeit Online: Wann haben Sie damit begonnen, die Dokumente zu studieren?

Greenwald: Ich habe die ersten Dokumente im Flugzeug gelesen. Wir hatten einen 16-Stunden-Flug zu bewältigen, Laura wollte schlafen. Ich begann zu lesen und sah, dass diese Dokumente unfassbar wichtig waren und dass es in der Geschichte der USA noch nie so ein gigantisches “Leak” gab. Ich wusste, dass der Fall eine enorme Explosion in der ganzen Welt auslösen würde. Ich spürte die Macht dieser Geschichte. In Hongkong trafen wir dann auf Snowden und waren überrascht.

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