fiber7.ch: Wenn Netflix stottert, Epressung durch Provider

fiber7.ch: Wenn Netflix stottert, Epressung durch Provider

Grundsätzlich sind wir (Init7) der Meinung, dass es Sache des Providers ist, performante Videostreams zu liefern. Die Content-Anbieter wie Netflix tun nämlich das ihrige dazu, indem sie möglichst effizient mit den Internet-Providern Interkonnektionen aufbauen (sogenanntes Peering). Diese Interkonnektionen können über einen Internet-Exchange erfolgen (Public Peering), oder über einen sogenannten dedizierten PNI (Private Network Interconnect = Private Peering). Init7 unterhält z.B. mit Google ein privates Peering in Glattbrugg / ZH. Darüber werden Youtube-Videos zu den Fiber7-Kunden geliefert.

Alternativ bieten verschiedene Content-Anbieter auch Cache-Server an, die innerhalb des Netzwerks des Providers aufgestellt werden. Man nennt dieses System CDN (Content Delivery Network). Init7 hat Server von Akamai in Betrieb. Ebenso sind zwei Cache-Server von Netflix in Winterthur und Zürich installiert. Diese liefern Netflix-Filme zu den Fiber7-Kunden auf direktestem Weg. Denn: je geografisch näher der Server beim Kunden steht, desto ungehinderter kann der Stream den Endkunden erreichen.

Dieses sogenannte OpenConnect Programm von Netflix steht grundsätzlich allen Providern offen. Netflix hat uns (Init7) pünktlich zum Start in der Schweiz im September 2014 zwei Server im Wert von ca. CHF 70’000 zur Verfügung gestellt. Wir haben Netflix vorab IP-Adressen angegeben, dann die beiden Server an geeigneter Stelle in unseren Internet-Backbone integriert (jeweils mit einem 10Gig-Port) und wir kommen für die Rackplätze und den Strom auf. Geld ist von beiden Seiten nicht bezahlt worden.

Man kann sich nun fragen, warum nicht auch UPC von OpenConnect profitieren will. Die Ersparnis bei Kapazitäten der Backbone-Links sind signifikant und übersteigen den zusätzlichen Aufwand des Strombedarfs bei weitem; und nicht zuletzt ist das Erlebnis der Endkunden viel besser. Doch grosse Provider wollen für eine solche Kooperation vom Content-Anbieter zusätzlich Geld erhalten. Die Bandbreite wurde zwar bereits durch die Endkunden bezahlt, aber ein grosser Breitband-Provider kann aufgrund seiner Kundenzahlen den zweiseitigen Markt erzwingen. Jeder Provider monopolisiert seine Kunden – zumindest temporär, solange sie eben Kunde sind. Die nachstehende Grafik (Quelle: Level3) veranschaulicht das Prinzip – an den gelb markierten Interkonnektionspunkten führt kein Weg vorbei.

Viele grosse Provider (z.B. Deutsche Telekom, Swisscom, UPC…) halten die Interkonnektions-Kapazitäten passiv-aggressiv knapp, d.h. die Kapazitäten werden zunehmend enger, weil die Bandbreiten-Nutzung permanent ansteigt. Upgrades erfolgen nur noch, wenn der Content-Anbieter dafür zahlt, und das meistens nicht zu knapp (es gibt ja keinen Markt für diese Interkonnektion – der Provider kann also Monopolpreise verlangen). Wird nicht bezahlt, stehen die Daten im Stau, und das ist bei Videos eben direkt sichtbar. Mit diesem Verhalten nehmen die grossen Provider ihre Kunden sozusagen in Geiselhaft.

Den aktuellen Disput zwischen UPC und Netflix ist überhaupt nicht neu: Im Frühjahr 2014 gab es exakt dieselbe Konstellation in den USA, als sich Netflix und Comcast stritten. Auch der PCtipp berichtet darüber. Abhilfe brachte erst, als Netflix an Comcast zahlte und damit dem erpresserischen Druck nachgab und vor allem, als die FCC (der Telekommunikations-Regulator der USA) die sogenannte Open-Internet-Order verfügte. Letztendlich geht es um die Netzneutralität, die von UPC aufs Gröbste verletzt wird. Erschwerend kommt dazu, dass UPC mit MyPrime ein direktes Konkurrenz-Angebot zu Netflix hat. Und die Vermutung, dass MyPrime bei UPC-Kunden problemlos streamt, während Netflix ruckelt, liegt auf der Hand.

Init7 hingegen ist der echten Netzneutralität verpflichtet – und nicht etwa dem Pseudo-Kodex einiger anderer Schweizer Anbieter – weil wir überzeugt sind, dass nicht der Provider bestimmen darf, was die Endkunden sehen oder eben nicht sehen sollen. Aus diesem Grund betreiben wir auch einen sehr grossen IP-Backbone, damit wir unseren Kunden die bestmögliche Internet-Connectivity bieten können. Und dazu gehören auch ruckelfreie Video-Streams in höchster Auflösung während der Prime-Time, z.B. am Sonntagabend zwischen 20:00 und 22:00 Uhr.

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